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 Die Moleküle der Gefühle

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Vetch

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BeitragThema: Die Moleküle der Gefühle   Di Feb 02, 2016 5:48 pm

Candace Pert ist, äh, ich würds mal als forschende Molekularbiologin bezeichnen. Laborwissenschaftlerin. Sie hat weiland den Opiumrezeptor entdeckt. Vorher wusste man nicht, wie und warum Opiate wirken. Kurz drauf wurde dann Endorphin (bzw. Enkephalin odrso) – endogenes Opiat – endeckt. Ich stelle fest, dass die Sachen, die uns als selbstverständliche Tatsachen beigebracht werden, erst so seit den 70ern erforscht werden. Die Timeline habe ich nicht so im Kopf... Aber die irre neue Erkenntnis, die sie fand: dass nicht der Geist den Körper hat, sondern dass der Geist Körper ist. Sie sagt, Freud würde sich freun. Ich sage: Groddeck würde grinsen. Sie ham das Es gefunden.¹

Außerdem gibt das Buch interessanten Einblick in den Wissenschaftsbetrieb. So wie Candace erzählt, hat sie selbst viel dazu beigetragen, dass die verschiedenen Disziplinen heute mehr zusammenarbeiten. Ich kann gar nicht glauben, wie isoliert die anscheinend noch in den 80ern vor sich hingewurschtelt haben.

Das Faszinierende: das endokrine System und das Nervensystem und das Immunsystem – das sind alles Fachbereiche verschiedener Forschungsbereiche! (Innere Medizin, Neurologie, Immunologie) – sind miteinander im Austausch. Durch Botenstoff: Liganden (Moleküle, die an Rezeptoren binden und das Verhalten der Zelle beeinflussen). Diese Liganden sind (meist?) Peptide (kleine Eiweißverbindungen). Da weichen irgendwie alte, abgegrenzte Begriffe auf. Hormone, Neurotransmitter, Faktoren: Botenstoffe. Die wirken dann aufs veg. Nervensystem, die Stimmung, aufs Zellwachstum, was halt jeweils ihr Job ist. Es gibt ne Menge und man hat noch lange nicht alle entdeckt.

Ok. Also, die Rezeptoren, mit denen diese Liganden sich binden, die sitzen auf Zelloberflächen ("membranständig"). Sie finden sich nicht nur an den Synapsen des Nervensystems, das war überhaupt die Ausgangserkenntnis, sondern verteilt über Bereiche vom Gehirn, und an den Organen, und überhaupt, so scheints, mehr oder weniger geballt, überall. Das hat so manchen Wissenschaftler schon mal sehr gestört...
Und das wirklich Interessante, das etwas bestätigt, was wir ja eh schon immer gewusst haben: Zellen des Immunsystems (Lymphozyten) haben Rezeptoren – und zwar nicht nur für Botenstoffe aus dem Immunsystem selbst, sondern auch für Neurotransmitter, die im Gehirn hergestellt werden. Also z.B. Opiatrezeptoren. An Immunzellen. Außerdem stellen sie selber Liganden her², die da und dort binden können. Auch im Gehirn gibt’s Rezeptoren für Botenstoffe des Immunsystems.
Also Kommunikation zwischen Gehirn, Organen, Nervensystem und Immunsystem.

Das passt nicht mehr zur Vorstellung vom Gehirn als 'oberstes Organ'. Wie in Wirklichkeit auch: von wegen Ein Gott, Ein Kaiser, Ein Pater Familias - nix mit Pyramide. Austausch in alle Richtungen, Autoorganisation kommt zum Vorschein.

Willkommen in der Wirklichkeit! 8)


¹Aus der Wikipedia: Der Freud-Biograph Max Schur schreibt: Groddeck war es, der die Bezeichnung "das Es" prägte, die Freud dann übernahm, als er die Strukturhypothese formulierte. Zu einem vergleichbaren Ergebnis gelangt Octave Mannoni: Das Es ist ein Ausdruck, den Freud bei Georg Groddeck entliehen hat; dieser wiederum hat ihn von Nietzsche übernommen.

² Ich glaube, die stellen auch Endorphin her, oder so, da war jedenfalls der Ausruf von Candace: "Lauter kleine, schwimmende Hypophysen!"
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