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 Die zwei Truhen

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Vetch

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BeitragThema: Die zwei Truhen   Mo Jan 27, 2014 4:33 pm

Der Ursprung der Grossen Arcana wird gerne zu den alten Ägyptern oder nach Atlantis verlegt; von dort aus sollen sie dann von Zigeunern in Europa verbreitet worden sein. Manche sagen auch, in ihnen wäre die Lehre druidischer Einweihungsmysterien aus grauer Vorzeit verschlüsselt. Ein Autor schreibt darüber vom anderen ab. Ägypter und Zigeuner, alte Druiden und Verschlüsselung - klingt cool.

Tatsache ist, dass die ältesten bekannten Tarotspiele Ende des 14. Jahrhunderts in Italien entstanden sind. Sie sind die Vorläufer, jedoch nicht identisch mit unseren modernen Tarot-Decks. Näheres dazu in der Wikipedia.


Ein Satz moderner  Tarotkarten besteht aus 78 Karten in zwei verschiedene Sorten:
Die 'großen Arcana' und die 'kleinen Arcana'.
Arcanum (lat.) bedeutet "Geheimnis, Geheimfach".
Eine lange Zeit hab ich gedacht, Arcanum bedeute "Truhe".
In mir weckt dieses Wort wundervolle Assoziationen. Meine Karten sind auch in einem Holzkästchen, das ein bisschen wie eine Truhe aussieht.

Stellen dir vor: eine große Truhe, die du auf einem Dachboden entdeckst. Wie von einem unsichtbaren Faden gezogen steuerst du darauf zu.
Ist sie kaputt? Ist sie verschlossen?
Oder vielleicht ist sie auch ganz leer, oder voller Staub und Dreck, oder—

Sie ist schön, sie ist in bestem Zustand, unbestimmbar alt, und sie ist unverschlossen. Du hebst den Deckel und findest zwei kleinere Truhen.

Die eine ist schlicht und praktisch hingezimmert, fröhlich bemalt und voller Alltagsgeraffel.
Loswühlen!
Die Dinge sind gut erhalten. Spielsachen, Schmuck, Kochgerät, Werkzeug... lauter Kleinkram. Wertvoll, weil hübsch. Und noch besser: zu gebrauchen!

Die Elemente- und Clankarten, auch 'Kleine Arcana' genannt, stellen den Weltkreis dar; umschlossen und begrenzt durch die vier Himmelsrichtungen. Sie zeigen die vier Grundkräfte, die Elemente allen irdischen Seins, in 14 verschiedenen Manifestationen. Kräfte, die in unserem Alltag wirken, die wir selbst zur Verfügung haben oder sein können. Sie sind klar in vier Reihen von 1-10 plus Clan ("Hofkarten" = Bube, Ritter, König, Königin) geordnet.

Es gibt Tarotbücher, in denen die kleinen Arcana gar nicht vorkommen. Sie sind Verwandte unserer gewöhnlichen Spielkarten, und weil sich jeder Depp zum Zwecke des Zockens mit ihnen beschäftigen kann, sind sie einigen Autorinnen und Autoren wahrscheinlich zu profan.
Die Deutungen der kleinen Arcana befassen sich mit menschlichen, konkreten, alltäglichen Belangen.
Sie sind nach einem in sich geschlossenen System aufgebaut, das sich uns schnell erschließt:
Es gibt vier Serien (As bis Zehn). Statt Pik, Herz, Kreuz und Karo (oder Spaten, Herz, Eicheln und Schellen) finden wir Schwerter, Kelche, Stäbe und Münzen. Dazu gibt es in jeder Farbe vier sogenannte Hofkarten: Kinder, Boten, Wächter und
Königinnen. So nenn ich sie. Sie können beim Deuten mit Personen assoziiert werden, doch in ihnen steckt mehr.
(Wir kommen dazu in den Diskussions-, Deutungs- und Praxisfäden.)

Die andere Truhe sieht kostbar aus, antik, in reichen Farben kunstvoll lackiert, verwirrend schimmernd. Sie scheint aus einer vergangenen Zeit, aus einer fremden Kultur zu stammen und wirkt dennoch vertraut.
Sie ist verschlossen.
Aber war da nicht ein Schlüssel unter dem hübschen Geraffel in der anderen Truhe?
Ja, da ist der Schlüssel, er passt, er lässt sich drehen.
Es knirscht und geht unerwartet schwer. Doch er geht.

Diese Truhe ist mit sattleuchtendem Samt ausgeschlagen.
Darin ist ein Spiegel. ein Kaleidoskop und ein leeres Buch.

Außerdem scheint sie innen größer zu sein als von außen...
und da ist bestimmt noch ein Geheimfach!

Auf den großen Arcana sind meist römische Ziffern (bis auf die Null) und Bilder, die wir von Spielkarten eher weniger gewohnt sind — vielleicht bis auf den Narren, der Ursprung des Jokers unserer Spielkarten sein könnte — ein Bein in beiden Truhen, sozusagen. Wie auch seine Nummer 0 zeigt.

Desweiteren finden wir in der Großen Truhe so archaische Sachen wie Tod und Teufel, Sonne, Mond und Stern, einen Gehängten, eine Hohepriesterin und verschiedene Engel. Sie symbolisieren – hm – wie benennen? Magische Kräfte, Kosmische Kräfte, Karmische Kräfte, Komische Kräfte...
Grob gesagt symbolisieren die Grossen Arcana mächtige Einflüsse und Wirkungen.

Es gibt unzählige verschiedene Versuche, die großen Arcana in ein Muster zu fügen. In fast jedem Tarotbuch kannst du ein anderes finden. Manche halten sich an die Reihenfolge (obwohl immer mal wieder einzelne Karten vertauscht werden), andere erfinden eine völlig neue. Manche sehen in den Zahlen eine eigene Bedeutung, andere ignorieren sie. Manche versuchen, sie ins astrologische Gefüge zu pressen, andere teilen ihnen Jahreszeitenfeste zu. Sie werden als Pfad der Einweihung verstanden, als Stationen der menschlichen Entwicklung, als Tore zu anderen Welten, als die 22 Pfade des kabbalistischen Lebensbaumes. Sie werden Sternzeichen, Planeten, Jahreszeitenfesten und Elemente zugeordnet; es werden Schleifen, Hierarchien, Wege, Kreise und Spiralen gebildet.
Ich kenne keine zwei Bücher, die in allen Punkten übereinstimmen.

Ein Lehrer hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die englische Art der Notengebung in der Schule, mit Buchtsaben statt mit Zahlen, viel sinnvoller ist. Buchstaben kannst du z.B. nicht in einen Durschschnitt zerrechnen.

Was ist denn nun die 'richtige' Ordnung der Großen Arcana?!?

Ich war jahrelang frustriert, weil ich nicht wusste, welchem System ich vertrauen sollte. Bis ich begriff, dass genau diese Unschärfe die Große Arcana ausmacht. Da sie nach der traditionellen Überlieferung Kräfte symbolisieren, die jenseits menschlichen Zugriffs liegen, ist es einleuchtend, dass sie auch nicht in ein menschliches Schema gepresst werden können.
Die irdischen, konkreten Kräfte der Kleinen Arcana kann unser Geist systematisieren ~ die Kräfte der Großen Arcana aber übersteigen unsere Kategorien.

So ist also meiner Meinung nach keins der vielen Systeme 'richtig' oder 'falsch' — auch dies hier nicht.

Das hier zugrundeliegendes System ist dies: Die großen Arcana sind Teil eines kreativen Prozesses: der bunten Magie. Dabei sind Gestalt, Reihenfolge und Anzahl gar nicht so wichtig. Sie symbolisieren die Kraft, aus denen das Leben, das Universum und der ganze Rest besteht. Sie scheinen mir wie bunte, schillernde Fäden, die sich zu immer neuen Lebensmustern zusammenflechten lassen.

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